Disruptive Dimensionen – Räumlichkeit und Temporalität von Kataklysmen
Internationale Jahrestagung des DGfG-Arbeitskreises Religionsgeographie
04 bis 05. Dezember 2025, Erlangen
Katastrophen- und Krisenzeiten kennzeichnen einen Moment, in dem das Gewohnte durchbrochen wird, und eine Situation des Übergangs von einem gewesenen zu einem unbestimmten Stadium. Diesen Schwellen, in denen Imaginationen und Konstruktionen von Räumlichkeit und Temporalität irritiert werden, haben sich die Debatten in der Religionsgeographie zu stellen. Endzeitliche Kataklysmen (κατά hinunter, κλύζειν spülen) erschüttern hierbei alle Bereiche des menschlichen und nicht-menschlichen Zusammenlebens.
Die Jahrestagung 2025 des DGfG-Arbeitskreises „Religionsgeographie“ nimmt sich deshalb des Themas „Disruptive Dimensionen – Räumlichkeit und Temporalität von Kataklysmen“ an und lädt Forschende und Interessierte ein, Beiträge zu den komplexen Verflechtungen von Temporalität, Raum, Gesellschaft und Religion im Kontext von Endzeitnarrativen zu leisten.
In Zeiten der Grenzerfahrungen durch Katastrophen werden Vorstellungen von Leben, Leiden und Tod, von Raumzeitlichkeiten und Religionskonzepten neu verhandelt. In Räumen der Lebensbedrohlichkeiten verschieben sich die Wahrnehmungen von Gegenwärtigem, Vergangenem, Zukünftigem sowie Dauer, Widerstand und Mobilität. Ein verstärktes Empfinden der Gegenwart zeigt sich, wo apokalyptische und endzeitliche Bilder aktualisiert und neu produziert werden. Katastrophenszenarien zur Beschreibung der planetaren Lage können zum politischen Agieren aufrufen. Fragen nach Trans-Temporalität, local histories, der (Wiederer-)Schaffung von Orten, Verschränkungen von Zeit, Raum, Agency, Prozesshaftigkeiten (vgl. Bruno Latour 1997, „Trains of Thought“, 179: „timing, spacing, and acting“) und Machtgeometrien können Ansätze zur Diskussion von aktuellen Kataklysmen bieten. Vorstellungen von Kataklysmen werden geprägt von vielen religions- und kulturbezogenen Kontexten. Ein fortlaufendes placing und displacing in der Welt (vgl. Thomas Tweed 2008, Crossing and dwelling) als ein Sich-Verorten und Verortet-Werden impliziert dabei zugleich geographische und religiöse Weltsichten, auch als Worldmaking und Worldending.
Welche Rolle spielen beispielsweise Körperlichkeit, Alter, Geschlecht und Sexualität beim Imaginieren von Zeiträumlichkeiten in der Krise? Oder ‚Globalisierung’ und ‚kulturelle Differenz’? Welche anderen Räumlichkeiten, Rituale und Praktiken entstehen durch den Verlust von Biodiversität, nach Waldbränden oder in Situationen des Landverlusts als Lebensraum? Wie können (neo-)imperiale und (neo-)koloniale Vorstellungen von Temporalität und Spatialität zu Fragen um Säkularität und Religion analysiert und beschrieben werden?
Auf der Jahrestagung soll ein breites Spektrum von Forschungsarbeiten zu den komplexen Dynamiken und Verschränkungen von Räumlichkeiten und Temporalitäten in Relationen zu Krisen präsentiert werden. Wir laden daher zur Einreichung von Abstracts zu wissenschaftlichen Beiträgen sowie kurzen Schlaglichtern oder Paneldiskussionen auf – zum Thema der Jahrestagung oder auch gerne zu anderen religionsgeographischen Themen ein. Wir ermutigen insbesondere zur Einreichung von Beiträgen mit interdisziplinären Herangehensweisen, die neue Perspektiven und Methoden in die Diskussion einbringen. Außerordentlich willkommen sind Präsentationen von Forschenden in der Promotions- oder Postdoc-Phase, die eigene Ansätze vorstellen und in einem konstruktiven und wohlwollenden Umfeld diskutieren wollen.
Das Arbeitskreistreffen des AK Religionsgeographie findet unter lokaler Leitung von Diana Lunkwitz (Erlangen-Nürnberg) und dem Sprecher*innenteam (Frank Meyer [Leipzig], Franziska Sandkühler [Jena], Stefan van der Hoek [Bochum]) am 4. und 5. Dezember in Erlangen statt. Beginn ist voraussichtlich um 13 Uhr am 4. Dezember und Ende um 15 Uhr am 5. Dezember. Genaue Zeiten und Orte werden zum 1. November 2025 unter
www.ak-religionsgeographie.de sowie an alle Einreichenden bekannt gegeben. Eine kostenpflichtige Registrierung wird online ab Oktober möglich sein (der Unkostenbeitrag von ca. 25 € ist in bar vor Ort zu zahlen).
Bitte senden Sie Ihre Abstracts für wissenschaftliche Vorträge (20 min) oder kurze Schlaglichtbeiträge (10 min) von maximal einer Seite bis zum 31. Mai 2025 an f_meyer@leibniz-ifl.de. Wir freuen uns außerdem über Vorschläge zu Panel- oder Diskussionsformaten. Rückmeldungen über die Annahme erfolgen zum 30. Juli 2025.
Hinweise zu Unterkünften in Erlangen:
A.B. Hotel, https://www.abhotel.de (€)
Hotel Mirabell, https://mirabell-hotel.de (€)
Hotel Stadthaus, https://www.stadthaus-erlangen.de (€€)
Altstadthotel Grauer Wolf, https://www.grauer-wolf.de/de (€€)
Holiday Inn Express, https://www.ihg.com/holidayinnexpress/hotels/de/de/erlangen/zczel/hoteldetail (€€€)